Als Nachzügler in der Autogas-Technologie tritt Deutschland an und versucht aufzuholen.
In den letzten Monaten ist den meisten Autofahrern die Freude am Gas geben gründlich vergangen. Obwohl die Preise für Otto- und Dieselkraftstoff in den letzten Tagen ein wenig gesunken sind, macht die Fahrt an die Zapfsäule keinen Spaß.
Heute sind rund eine Viertelmillion Autofahrer mit einem Kraftstoff unterwegs, welcher früher für Heizstrahler oder Campingkocher benutzt wurde: Flüssiggas.
Mit einem Durchschnittspreis von etwa 73 Cent pro Liter (Stand Ende August) liegt der Preis locker um die Hälfte niedriger, als der Preis für Benzin. Daher ist es kein Wunder, dass immer mehr Autofahrer umschwenken und investieren um das Gas benutzen zu können.
Vor vier Jahren fuhren auf Deutschlands Straßen gerade einmal 30 000 einheimische Autos, die sowohl Benzin als auch mit Flüssiggas betrieben werden konnten. 2006 waren es bereits 125 000 und im Juli 2008 wurde die Zahl von 250 000 locker überschritten, der Boom hält weiter an. Die heutigen Umbauanbieter für Flüssiggas sind derzeit überfordert mit der Auftragslage und man muss mit entfernt liegenden Terminen rechnen.
Diese Entwicklung ist umso verblüffender, als Staat und Gasversorger noch vor wenigen Jahren eine Allianz für das Erdgas schmiedeten. Mit dem Wohlwollen des Finanzministers, dem Erdgas für den Kfz-Betrieb steuerliche Vorteile einzuräumen und dem Sponsoring der Erdgas-Wirtschaft, die den Autofahrern die Umrüstung mit Zuschüssen und Versorgungsangeboten schmackhaft zu machen versuchten, sollte den auch klimamäßig vorteilhaften Erdgasautos eine freie Fahrspur geschaffen werden.
Doch der Markt ging in eine andere Richtung. Heute schätzt man bereits, das Ende 2009 eine halbe Million LPG-Autos auf den deutschen Straßen unterwegs sein werden. Zwei Millionen Fahrzeuge werden es dann im Jahre 2015 sein. Der Gesetzgeber hat auch die steuerliche Bevorzugung des LPG-Kraftstoffs bis Ende 2018 verlängert. Das wird sich auch in den Wiederverkaufswert der LPG-Autos niederschlagen, als die gleichen Autos mit herkömmlichem Antrieb.
Die Versorgung der LPG-Fahrer ist in gleichem Tempo gewachsen, wie die Zahl der Nachfrager. Während der Ausbau des Erdgas-Tankstellennetzes vor sich hindümpelt, gehen immer mehr Anbieter von Otto- oder Dieselkraftstoff dazu über, auf ihrem Gelände auch eine Zapfstelle für Autogas vorzuhalten. Während vor wenigen Jahren die seltenen Zapfsäulen mit der Aufschrift "Autogas" oder "LPG" in Deutschland in erster Linie von Touristen aus Holland, Italien oder Polen angesteuert wurden, werden nun immer mehr Einheimische zu dankbaren Kunden einer wachsenden Infrastruktur.
Mittlerweile zählt man ungefähr 4105 Versorgungspunkte für Autogas, denen nur 803 Erdgas-Tankstellen gegenüberstanden. Diese Entwicklung wird durch die Tatsache befördert, dass der technische und damit kostenmäßige Aufwand für solch einen Gastank relativ gering ist. Wegen der verwendeten hohen Drücke und den daraus resultierenden Sicherheitsanforderungen sind die Investitionskosten für eine Erdgas-Tankstelle bedeutend höher. Ähnlich wie bundesweit ist auch in der Hauptstadt das Verhältnis von Autogas- und Erdgas Anbietern.
Wer mit seinem umgerüsteten Fahrzeug in den Urlaub fährt, den erwartet in den meisten europäischen Ländern ein solides Angebot an Versorgungsstellen. Das hat vor allem damit zu tun, dass andere Länder einen ähnlichen Boom bei der Nachfrage nach Autogas-Pkw erleben wie Deutschland. In Italien zum Beispiel hat sich die Zahl der Neuzulassungen in den ersten zwei Monaten dieses Jahres gegenüber den Vorjahresmonaten mehr als verzehnfacht.
Selbst die „junge Generation“, welche sich doch sehr stark mit Tuning beschäftigt, kommt heute doch schon eher mit der neuen Form des Antriebes auf Treffen gefahren!
Und wir können sicher sein, das Gold für unsere Autos wird eher die Leiter nach oben steigen, als zu sinken.
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